Frankreich in Joynes Kitchen

Unser kleiner Ausflug nach Italien ist jetzt schon eine Weile her und so mache ich mich heute auf nach Frankreich. Das Tollste an unseren kleinen Trips: Wir müssen keine Koffer packen, nicht zum Flughafen hetzen, ja wir brauchen weder Tickets noch Unterkunft! Nur einen knurrenden Magen, einen freien Abend und eine schöne Begleitung. Letzteres ist dieses Mal Emma, die ich auch nicht lange überreden musste: „Ob ich Lust habe mit dir essen zu gehen? Was ist das denn für eine Frage, Marika?“

Und so sitzen wir jetzt zusammen in Joynes Kitchen, dort wo die Mommsenstraße langsam von Charlottenburg in Wilmersdorf übergeht und man vom Trubel rund um den Savignyplatz nichts mehr mitbekommt. Obwohl die Straße ruhig ist und es auch Tische auf dem Gehsteig gibt, haben wir uns für einen Platz drinnen entschieden. Dem dunklen Glanz vom Holzfußboden und den bunten Tiffany-Lampen konnten wir einfach nicht widerstehen. Die Atmosphäre im Joynes lässt sich mit einem Tanzparkett in den Morgenstunden vergleichen: Ein glücklich-leichter Rauschzustand, die Melodie der Musik noch auf den Lippen, die aufgehende Sonne hat die Dunkelheit der Nacht noch nicht ganz vertrieben, man schwingt und schwebt und fühlt sich doch schon wohlig schwer. Wir lehnen uns in unseren Holzstühlen zurück, lauschen der Jazz-Musik im Hintergrund und studieren ausgiebig die Speisekarte.


„Ich nehme ganz klar den Lachs mit den Mandeln und als Vorspeise vielleicht das Tartar? Darf man das, also ich meine, passt das zusammen – erst Fleisch, dann Fisch? Wobei – ich nehm‘ das einfach, da hab‘ ich Lust drauf, und wenn Knigge davon Bauchschmerzen bekommt, dann soll er eine Magentablette nehmen.“ Emma lacht und legt die Karte beiseite. Ich entscheide mich für den Tomatensalat mit Zucchini-Blüte und die rosa Lammkeule mit Piperade, dem Omelette aus Tomate und Paprika als typische Spezialität der Region Aquitanien in Südfrankreich.

Kaum habe ich begonnen, Emma von meinen eigenen Urlauben in Südfrankreich zu erzählen, kommen auch schon die Vorspeisen. Die Portionen sind wirklich sehr gut gemeint, Emma schaut ganz überrascht auf ihr Tartar und ist erleichtert, dass wir uns gegen das 6-Gänge-Menü entschieden haben: „Dann hättest du mich aber hier rausrollen müssen. Drei Gänge vielleicht, aber sechs? Da hätte ich Frühstück und Mittag ausfallen lassen müssen!“ Die Hauptspeisen fallen ähnlich großzügig aus, worüber wir uns aber sehr freuen. Emmas Lachs ist auf den Punkt, zerfällt saftig in rosig-glänzende Segmente, die Haut ist knusprig und die Grillstreifen der Zucchini verleihen dem Gericht eine angenehm herbe Note. Meine Lammkeule ist so zart, dass ich das Messer beiseite lege und zu Gabel und Löffel übergehe. Die Piperade schmeckt nach sonnigen Feldern und Sommerwärme und bringt mich direkt zurück ins malerische Tal der Dordogne.



Zum Abschluss nehmen wir noch den Joghurt-Schaum mit Erdbeeren und Rhabarber-Sorbet – das verlockend klingende Vanilleeis mit Kiefernzapfen heben wir uns fürs nächste Mal auf – und schauen dabei zu, wie sich die Mommsenstraße langsam in ein Pyrenäen-Panorama verwandelt. Unser Tagtraum wird von einem kleinen blonden Jungen unterbrochen, der laut lachend durch das Restaurant wuselt und hinter der Bar verschwindet. Der Kellner erklärt: „Das ist der Sohn vom Koch Anthony Joynes und seine Frau Lucia. Wir grinsen. Laden und Küche sind wirklich einfach herrlich familiär, ungezwungen, herzlich.



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